27. Februar 2011

Faszination Serienmörder (3): Fünf Fragen an Hartmut Bühler

Hartmut Bühler ist Portraitfotograf und wohnt und arbeitet in Düsseldorf. Zu seinen Kunden gehören namhafte Zeitschriften wie DIE ZEIT, DIE WELT, der SPIEGEL und zahlreiche deutsche und internationale Unternehmen wie die Deutsche Bank, Lufthansa, Henkel, die Messe Düsseldorf, der Deutsche Olympische Sportbund und viele andere. 2008 stieß er auf Werbung für Straßenbahnfahrten zum Thema Kürten und auf Plakate für Theateraufführungen. Da er selbst in Flingern in der Nähe des damals berüchtigten "Mordgebiets" wohnt, beschäftigte er sich mit Peter Kürten und den Tatorten der Mordfällen. Er war so freundlich fünf Fragen zur Faszination des Serienmords zu beantworten.

1. Herr Bühler, Sie haben versucht, die Tatorte Peter Kürtens mit der Kamera einzufangen. Was haben Sie gedacht, als Sie das erste Mal vor dem Haus des Mörders standen?

Das Haus in der Mettmanner Straße [Siehe Flyer für das Symposium rechts, Anm. JNK] ist unscheinbar, grau und banal. Jedoch kann eine unscheinbare Fassade ein Innenleben beherbergen, das sich von seiner Hülle "um 180 Grad" unterscheidet. A là Raupe und Schmetterling. Nur, in diesem Falle ist der Schmetterling ein Teufel in Menschengestalt gewesen.

2. Sie hatten leider nicht die Zeit Ihr Projekt zu verwirklichen. Können Sie kurz skizzieren, wie Sie die Tatorte fotografisch darstellen wollten?

Ideal wäre gewesen, ohne Zeitdruck zu arbeiten: 
  • mit historischer Kamera der damaligen Polizei, (z. B. Fotokamera Ermanox, hergestellt in Dresden) zu fotografieren. 
  • Immer an den Tagen und Uhrzeiten, an dem die Mordopfer gefunden wurden bzw. von der Polizei fotografiert wurden, sollten die Fotos gemacht werden,  Wg. Licht und Vegetation... 
  • Mit damaligen Absperrbändern oder dergleichen. Oder den heutigen bekannten Absperrungsfolien.Mit den Markierungs-Nummern bzw. Schildtafeln, mt denen diverse Tatdetails markiert und dann fotografiert werden.
  • Umrißlinien der Opfer auf Boden zeichnen: wäre zu sehr BILD-haft.
  • Tatwerkzeuge dazu legen
  • Personen in Größe und Alter der Mordopfer simulieren die Toten. (Zu aufwendig. Und Honorar hätte ich nicht zahlen können.)
Anfangs hatte ich immer ein Holzkreuz dazu mit Foto der Opfer... aber das läßt sich nicht durchziehen.

Herr Bühler war so freundlich einige Arbeitsfotos, die er in der Vorbereitung anfertigte, zur Verfügung zu stellen: 
Köln-Mühlheim, in dem Eckhaus ermordete Kürten 1913 Christine Klein.
© Hartmut Bühler
Der Hellweg in Düsseldorf, an dem Rudolf Scheer im Februar 1929 ermordet wurde.
© Hartmut Bühler

In der Nähe der Grafenberger Allee fand man im November 1929 die Leiche des Kindes Gertrud Albermann.
© Hartmut Bühler
3. Können Sie – gerade im digitalen Zeitalter – als erfahrener Fotograf etwas zur Schwierigkeit der damaligen (Tatort)-Fotografie erklären?

Ich denke, mit den damaligen sehr großen Kameras und ihrer aus unserer Sicht heute schwerfälligen Handhabung war es bereits eine sportliche Leistung, Tatorte mit der Kamera festzuhalten. Daher größten Respekt vor den damaligen Fotografen und Polizisten. Sind wir nicht alle heute viel zu bequem und träge geworden?

4. Wenn Sie Fotografien von 1929 und von heute vergleichen: Wie hat sich das Bild der Stadt gewandelt?

Hm, die Autos und Gebäude von damals hatten Ausstrahlung und Magie. Mehr als das meiste, was heute fährt oder steht (bezieht sich auf die Gebäudesubstanz und Architektur). Das ist meine subjektive Sicht.

5. Wieso übt der Serienmörder Peter Kürten 80 Jahre nach seiner Hinrichtung immer noch eine Faszination auf uns aus?

Kriminelle und Verbrecher sind faszinierender als "Gutmenschen". Ist es deshalb nicht schlimm um unsere Psyche, unsere Gedankengänge bestellt?

Herr Bühler, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, die Fragen zu beantworten und das sie die Bilder zur Verfügung gestellt haben. Wer mehr über die Arbeit Hartmut Bühlers erfahren möchte, kann seine Homepage besuchen: http://www.hsbuehler.com/

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